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Mediathek Nadia Boulanger

Der Fonds und die Sammlungen

Die Nadia-Boulanger-Vermächtnisse bildeten den ersten Bestand. Später sind andere Vermächtnisse hinzugekommen.

DAS JEAN-MARTINON-VERMÄCHTNIS

Jean-Martinon (Lyon 1910 – Paris 1976), Komponist und Dirigent, studierte Komposition bei Vincent d’Indy und Albert Roussel und Orchesterleitung bei Charles Munch und Roger Désormière.

Von 1951 bis 1957 diridierte er das Orchestre des Concerts Lamoureux, von 1960 bis 1966 das Philharmonische Orchester von Chicago, von 1968 bis 1973 das Nationalorchester der ORTF und von 1974 bis 1976 das Residenzorchester von Den Haag. Als großer Kenner der französischen Musik hat er die Werke von Berlioz, Franck, Saint-Saëns, Debussy, Dukas, Roussel, Schmitt Ravel, Ibert, Honegger, Poulenc, Jolivet, Landowski, Dutilleux, Bancquart interpretiert.
Dieser Fonds wurde 1982 von der Familie des Jean Martinon vermacht. Er umfasst ca. 1500 Partituren sowie ein bei der technischen Regie des CNSMD aufbewahrtes Orchestermaterial. Die Dirigentenpartituren sind ganz besonders interessant für Dirigenten. Sie sind mit blauem, rotem odr schwarzem Bleistift annotiert.
Die mit scharzem Bleistift geschriebenen Anmerkungen entsprechen der Arbeit der Werkanalyse. Die mit rotem oder blauem Bleistift geschriebenen Anmerkungen sind Merknotizen für das Dirigieren.

DAS MONDON-VERMÄCHTNIS

1981 vermachte Dr H. Mondon dem CNSMD die Musikbibliothek von Émile Veyron-Lacroix. Letzterer (geboren am 3. Juni 1820 und gestorben 1857 in Clermont-Ferrand) war Harfenlehrer, auch Organist der Kathedrale von Clermont-Ferrand, er hatte die Partituren von Claude Veyron-Lacroix aufbewahrt, der, 1789 geboren und 1850 in Clermont-Ferrand gestorben, ebenfalls Musiklehrer war und alle napoleonischen Kampagnen mitgemacht hatte. Es soll noch in dieser Familie einen Antoine Veyron-Lacroix (geboren um 1765 in Lyon) gegeben haben, der Mitarbeiter von Lesueur gewesen sein soll. Außer den Opernpartituren – darunter Rameaus « Dardanus » (1739 bei der Witwe Boivin), Glucks « Alceste » (1776 bei Deslauriers) oder Grétrys « Barbe-bleue » (1789 von Huguet, einem Musiker der Comédie italienne gestochen) – enthält dieser Fundus verschiedene Sammlungen mit Étüden, Solos oder Sonaten für Harfe. Man verfügt hiermit über das französische Harfenrepertoire am Ende des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts.

DAS HENRY-DE-ROUVILLE-VERMÄCHTNIS

Henry de Rouville wurde 1955 geboren und starb 1988, er war Sänger und studierte bei dem englischen hohen Tenor Alfred Deller. Er ist Verfasser eines 1986 in der Sammlung « Que sais-je ? » erschienenen Buches über « Die englische Musik ». Seine Familie vermachte 1992 seine Bibliothek, die fast vollständig zur Leihbibliothek des CNSMD gehört. Es handelt sich hauptsächlich um das Repertoire für hohen Tenor oder Kontratenor.

DAS XAVIER-DARASSE-VERMÄCHTNIS

Xavier Darasse (1934-1992) war Organist und Komponist, lehrte am CNSMD Lyon ab 1985 und wurde 1991 zum Direktor des CNSMD Paris ernannt. Nach seinem Tod wurde sein Nachlass unter verschiedenen Institutionen vermacht, daraunter das Konservatorium in Toulouse, das CNSMD Paris und das CNSMD Lyon.

Er besteht aus Briefen, handschriftlichen oder gedruckten Texten, Partituren und Mikrofilmen. Unter anderem zahlreiche Partituren mit handschriftlichen Widmungen der Komponisten und den Anmerkungen von Xavier Darasse. Als Beispiel seien zitiert: Gilbert Amys « Quasi una toccata », André Boucourechlievs « Anarchipel », Charles Chaynes’ « Diagramme », Jean-Pierre Guézecs « Pièce n° 1 pour orgue », Betsy Jolas « Musique de jour », Mauricio Kagels « Improvisation ajoutée », György Ligetis « Volumina », Pierre Schaeffers « Etude aux objets », Igor Stravinskys « Le sacre du printemps » in Bernard Haas’ Transkription für Orgel, usw.

DAS BETHENOD-VERMÄCHTNIS

Dieser 1955 von einem Erben vermachte Nachlass ist zahlenmäßig nicht sehr gewichtig, jedoch enthält er interessante, zwischen 1780 und 1800 veröffentlichte Dokumente: mehrere Instrumentenschulen (Klavier, Flöte, Fagott…), einige Opern von Piccini und Sacchini. Er enthält ebenfalls eine Seltenheit: Jacques Duphlys « Pièces de clavecin » (gestochen von Mademoiselle Vendôme) Buch 1, 2, 3, in den Ausgaben von 1744, 1748 et 1756, ganz in Kalbsleder gebunden mit Fleuron, eingebrannten Glodverzierungen und vergoldeten gestampften Schutzblättern.

DAS JANE-BATHORI-VERMÄCHTNIS

Die Musikabteilung der Bibliothèque nationale de France hat dem CNSMD Lyon den Jane-Bathori-Nachlass geschenkt. Jane Bathori (1877-1970), französische Mezzosopranistin, Frau des belgischen Tenoristen Émile Engel, trug zahlreiche Werke zeitgenössischer französischer Komponisten vor. So besitzen wir heute die mit handschriftlichen Widmungen der Komponisten versehenen Melodien etwa von Daniel-Lesur, Maxime Jacob, Darius Milhaud, Francis Poulenc, Henri Sauguet oder Jean Wiener.

ZEITSCHRIFTENSAMMLUNG

Der Zeitschriftensaal bietet gegenwärtig mehr als hundert aktuelle Musikzeitschriften an, die laufenden Nummern werden ausgelegt, die der vorigen Monate werden aufgehoben und können vor Ort konsultiert werden, desgleichen die Musikzeitschriften des Fonds Nadia Boulanger (wie z. B. « Revue musicale » ab 1920 und « Revue de musicologie » ab 1926).

MUSIKAUSGABEN ZUM NACHSCHLAGEN

Neben den Sammlungen hält der Lesesaal selbstverständlich zahlreiche sonstige laufende Musikausgaben bereit: Corpus mensurabilis musicæ, Berg, Debussy, Schönberg, Schumann, usw. Musiklexika (Grove, Ausgabe 2001), thematische Kataloge, Bibliografien, usw. Im Lesesaal ist es ebenfalls möglich, Tonaufnahmen zu hören (4500 vor Ort abzuhörende Cds), Datenbanken auf CD-Rom abfragen wie z. B. das RILM (Répertoire international de littérature musicale / Internationales Verzeichnis der Musikliteratur von 1969 bis 2001), das RIPM (Répertoire international des périodiques musicaux du XIXe siècle / Internationales Verzeichnis der Musikzeitschriften des 19. Jhs); per Links sind auch andere Bibliotheken abrufbar: Ircam, CDMC (Centre de documentation de la musique contemporaine / Dokumentationszentrum der zeitgenössischen Musik), BNF, Centre d’études supérieures de la Renaissance (Zentrum für Renaissancestudien) in Tours Biblioteca dell’Universita degli studii di Bologna, usw…

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