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Mediathek Nadia Boulanger

Der Fonds Nadia Boulanger

Annette Dieudonné, die Testamentsvollstreckerin von Nadia Boulanger, hat die Gesamtheit ihrer Sammlungen zwischen mehrere institutionen, unter denen das CNSMD Lyon, verteilt.

Der Bestand des Fonds Nadia Boulanger ist in erster Linie der der Familie von Nadia Boulanger, bzw. ihrer Großmutter Marie-Julie Halligner (1786-1850), einer seinerzeit berühmten Sängerin der Opéra comique, sowie ihres Vaters Ernest Boulanger (1815-1900), der 1836 den Prix de Rome erhielt, am Conservatoire national supérieur von Paris Gesangslehrer war, Komische Opern komponierte und Gounod, Massenet, Saint-Saëns… zu seinen Freunden zählte. Der vererbte Fonds ist sehr typisch für das 19. Jahrhundert, was die Opern, die Melodien für Stimme und Klavier und die Gesangslehre betrifft. Nadia Boulanger hat ihn ihr ganzes Leben lang zu einer imposanten Sammlung erweitert, die durch die ganze Tradition der hohen westlichen Musik von Pérotins Organa über das Harmonices musices Odhecaton von Petrucci bis hin zu den Werken von Iannis Xenakis, Luciano Berio oder Ton That Thiet reicht.

EINZELBESTÄNDE DES FONDS

Der Fonds Nadia Boulanger enthält ca. 8000 Partituren:

Große Musikausgaben

- Johann Sebastien Bach Werke (Leipzig : Breitkopf & Härtel, 1851-1899. -46 vol.)
- Oeuvres complètes de François Couperin (Paris : Oiseau-Lyre, 1932-1933. -12 vol. )
- Werken van Josquin des Prés / uitgegeven door Prof. Dr A. Smijers (Amsterdam: G. Alsbach & Co, 1921-1969)
- Orlando di Lasso sämtliche Werke (Leipzig : Breitkopf & Härtel, 1894-1926. -20 vol. )
- Claudio Monteverdi : tutte le opere (Wien : Universal-Edition, 1926-1942. -23 vol. )
- Pierluigi da Palestrina’s Werke / herausgegeben von Franz Xaver Haberl (Leipzig : Breitkopf & Härtel, 1862-1907. -33 vol. )
- The works of Henry Purcell / edited by the Purcell Society (London : Novello, 1878-1928. -23 vol.)
- Jean-Philippe Rameau : oeuvres complètes / publiées sous la direction de Camille Saint Saens (Paris : Durand, 1895-1924)

Bedeutende Musikalien

- « Hispania schola musica sacra » collection révisée par Philippo Pedrell (Barcelona : Juan Bta Pujol y Ca, Editores, 1894-1898. -8 vol.), ou « les Archives des maîtres de l’orgue des XVIe, XVIIe et XVIIIe siècles » publiées par Alexandre Guilmant avec la collaboration d’André Pirro (Paris : Durand, 1898-1909. -9 vol.) ou « Les maîtres musiciens de la Renaissance française » éditions publiées par Henry Expert (Paris : A. Leduc, 1844-1908).
- 953 Bücher über Musik
- Werke von Lili und Nadia Boulanger (darunter Orchestermaterial)
- 144 wiedergefundene Manuskripte von Schülern der Nadia Boulanger (Jean Français, Marcelle de Manziarly für die französische Schule, David Barlow, Edwin Roxburgh für die englische Schule, Robert Russell Bennett, Walter Piston für die amerikanische Schule, Bernadetta Matuszczak, Krzystof Meyer, Zygmunt Mycielski für die polnische Schule…).

DIGITALISIERUNG DER GROßEN MUSIKAUSGABEN

Auf einen Aufruf zu Projekten des Kultusministeriums hin hat die Mediathek seit 2006 mit der Digitalisierung eines Teils des Fonds Nadia Boulanger begonnen. So wurden die wichtigsten großen Musikausgaben digitalisiert, um die Konservierung der originalen Dokumente zu verbessern, aber vor allem um ihre Verbreitung und Auswertung durch Musiker und Forscher zu erleichtern.
Die digitalisierten Partituren stehen allen entweder über den Katalog oder digitalisiert zu Verfügung.

Der digitalisierte Bestand

- Johannes Sebastian Bach’s Werke. Leipzig : Breitkopf & Härtel, sd. [1851-1896] 59 volumes
- Œuvres complètes de François Couperin. Paris : L’Oiseau Lyre. [1932-1933] 12 volumes.
- Orlando di Lasso : Sämmtliche Werke. Leipzig : Breitkopf und Härtel, 1932. 19 volumes.
- Pierluigi da Palestrina’s Werke. Leipzig : Breitkopf und Härtel, 1932. 29 volumes.
- Musica religiosa di Claudio Monteverdi. G. Francesco Malipiero, éd. scientifique. Asolo : Universal Edition [1926-1932] 16 volumes.
- The Works of Henry Purcell. Catalogue de Nadia Boulanger.
- The Works of Henry Purcell. London : Novello & Co. [1878-1928]. 26 volumes.
- Jean-Philippe Rameau : Œuvres complètes. Paris : Durand et Fils. [1895-1924] 17 volumes.
- Extraits des maîtres musiciens de la Renaissance. Publié par Henry Expert. Paris : Editions Maurice Senart, s.d.
- La Fleur des Musiciens de P. de Ronsard : Sonnets, Odes et Chansons à quatre voix, suivis de diverses pièces à voix seule et de deux dialogues à huit. Recueillie par Henry Expert. Paris : Cité des Livres, 1923.
- Florilège du concert vocal de la Renaissance. Publié par Henry Expert. Paris : Cité des Livres, 1928.
- Répertoire de la Société des Concerts du Conservatoire de Paris : Extrait des Maîtres musiciens de la Renaissance française. Editions publiées par Henry Expert. Paris : Alphonse Leduc, 1905.
- Répertoire populaire de la musique française. Publié par Henry Expert. Paris : Editions Maurice Senart, s.d.
- Monuments de la musique française au temps de la Renaissance. Editions publiées par Henry Expert. Paris : Editions Maurice Senart. [1924-1929] 9 volumes.
- Les Maîtres musiciens de la Renaissance française. Editions publiées par Henry Expert. Paris : Alphonse Leduc. [1894-1900] 25 volumes.
- Tudor Church Music. London : Oxford University Press. [1922-1929] 10 volumes.

DER ANDERE FONDS NADIA BOULANGER

Der BN-Opale Plus Katalog und die Sammlungen der Musikabteilung der Bibliothèque Nationale de France

www.bnf.fr
Nach dem Tod von Nadia Boulanger im Oktober 1979 teilte ihre Testamentvollstreckerin, Annette Dieudonné, die Gesamtheit der Objekte und Dokumente, die die Wohnung der Rue Ballu ausfüllten, unter mehreren Institutionen auf. Die Stiftung Lili und Nadia Boulanger, die Bibliothek der Harvard Universität, die polnische Bibliothek von Paris, das Museum der Musik, die Bibliothek des CNSMD Lyon und die Nationalbibliothek gehören zu den Empfängern.

« Als Komponistin, Dirigentin und Pädagogin besaß diese große Musikerin eine außergewöhnliche Bibliothek. Ein Großteil ihrer französischen Musikausgaben sowie ihre Arbeitsbibliothek bilden den Kern der Bibliothek des CNSMD Lyon. Die Dokumente, die 1980 die Sammlungen der Musikabteilung der Nationalbibliothek bereichert haben, sind durch ihre Zahl (1745 Dokumente) und ihre Qualität von hohem Wert. Neben Werken und Zeitschriften über Musik umfasst die Sammlung gedruckte ausländische Musikwerke mit einem außergewöhnlichen Bestand an Werken von Igor Strawinski, aber auch von Paul Hindemith, und französische Musikausgaben, meist Einzelstücke, mit Widmungen oder Anmerkungen, und vor allem zahlreiche urschriftliche Manuskripte, etwa von ihrer Schwester Lili Boulanger und von veschiedenen Komponisten wie Gabriel Fauré, Jean Françaix, Raoul Pugno, francis Poulenc, Roger-Ducasse, Lutoslawsky, Strawinski… Der Bestand an urschriftlichen Briefen zeugt von ihrer ungewöhnlichen Ausstrahlung und ihren treuen Freundschaften: hier findet man die musikalische Welt beinahe eines ganzen Jahrhunderts in 69 Bänden mit Schwerpunkten wie die Briefe von Roger-Ducasse oder Strawinski. Wir besitzen auch persönlichere Dokumente, Briefe von Verwandten, Terminkalender sowie die von Lili, verschiedene Hefte, Schülerlisten, ja sogar ihre Rechnungsbücher, was diese phänomenale Persönlichkeit rührend und eindrucksvoll widerspiegelt.

Es bleibt noch ein Koffer übrig, den man nicht vor Dezember 2011 öffnen darf und dessen Inhalt uns vielleicht das Geheimnis dieser strengen und verschlossenen Frau offenbaren wird. »

von Elisabeth Villatte, Verwalterin an der BNF, Musikabteilung (9/01/2003)

Der BN-Opale Plus Katalog und die Sammlungen der Medienabteilung der BNF

Dieser 1981 von der Medienabteilung empfangene Bestand widerspiegelt die verschiedenen Seiten dieser vollkommenen Musikerin, die ihre eigenen Einspielungen, die Zeugnisse ihrer Tätigkeit als Interpretin und Musikwissenschaftlerin, aufbewahrt hat. Darunter findet man auch zahlreiche Aufnahmen von Werken ihrer Freunde (Igor Strawinski, Darius Milhaud…) oder ihrer Schüler, die Komponisten waren (Aaron Copland) bzw. Interpreten (Dinu Lipatti).

Er erhält auch verlegte Schallplatten: 78 Upm-Platten (ca 200) und 650 Langspielplatten. Die Sammlung der 78 Upm-Platten enthält auch Test-Schallplatten, die Vorbereitungen nicht immer verlegter Aufnahmen sind, wie z. B. die Kantate BWV 4 von J.S. Bach, die auf sechs einseitige Schallplatten eingespielt wurde.

80 Tonbänder ergänzen diesen Bestand. Es handelt sich hauptsächlich um unveröffentlichte Aufnahmen von Konzerten unter der Leitung von Nadia Boulanger, entweder bei der Fürstin von Polignac, oder in Fontainebleau, oder noch im Ausland. Die meisten sind Einspielungen von Werken ihrer Schwester Lili, vieler Schüler von ihr selbst (Walter Piston) oder befreudeter Musiker. Hier findet man eine Aufnahme der Litanies à la Vierge noire von Francis Poulenc unter der Leitung von Nadia Boulanger. Sowie Interviews, die sie im Radio oder Fernsehen gegeben hat, die Aufnahme des Gedenkkonzerts für Lili Boulanger zu ihrem 50. Todestag oder des im Fürstentum Monaco organisierten Konzerts zum 80. Geburtstag von Nadia Boulanger.

Bruno Sebald, BNF – Medienabteilung – Alter Fonds

Centre international Nadia et Lili Boulanger

(Internationales Zentrum Nadia und Lili Boulanger)
www.cnlb.fr

Als gemeinnützig anerkannt ist das internationale Zentrum Nadia und Lili Boulanger, das aus der Vereinigung des Vereins der Freunde von Nadia und Lili Boulanger und der internationalen Stiftung Nadia und Lili Boulanger, die 1965 bzw. 1983 gegründet worden waren, hervorgegangen ist. Es besitzt das Urheberpersönlichkeits- und das Vermögensrecht der beiden Schwestern und hat sich vorgenommen, über die Fortdauer ihres Gedächtnisses zu wachen, indem es ihren Werken und Archiven die größtmöglichste Verbreitung zu geben sucht.

The American Music Research Center, University of Colorado, Boulder

www.nadiaboulanger.org
Das Americain Music Research Center der Universität Colorado in Boulder hat vom 7. zum 9. Oktober 2004 ein Symposium zur Erinnerung an Nadia Boulanger anlässlich ihres 25. Todestags organisiert. Es war die erste Etappe eines Projekts zur Förderung eines Raumes, der einzig der Konservierung der auf Nadia Boulanger und deren außerordentlichen Beitrag zur Entwicklung der amerikanischen Musik bezogenen Dokumente gewidmet ist.

Eda Khun Loeb Music Library – Isham Memorial Library, harvard University

hcl.harvard.edu
Die Islam Memorial Library ist eine Fachbibliothek, die zur Eda Kuhn Loeb Music Libray in Harvard gehört. Der Bestand der Bibliothek umfasst Mikroformen, Faksimiledrucke, seltene Bücher, Manuskripte, sowie die musikwissenschaftlichen Dissertationen der Universität Harvard. Hier werden ebenfalls die Archivsammlungen der Eda Kuhn Loeb Music Library aufbewahrt, u. a. die Schenkung Annette Dieudonné (1979) mit der Sammlung der Manuskripte der Schüler von Nadia Boulanger.

Collection Aaron Copland der « Library of Congress » New York

memory.loc.gov
Diese Sammlung umfasst ca. 75 Briefe von Aaron Copland an Nadia Boulanger, Fotografien von Nadia Boulanger und unveröffentlichte Schriften über sie.

NADIA UND LILI BOULANGER

Nadia Boulanger (16. September 1887 – 22. Oktober 1979) war eine mit unerschöpflicher Energie begabte Künstlerin und eine außergewöhnliche Pädagogin. Mit neun Jahren kam sie ins Konservatorium in Paris und verließ es sieben Jahre später mit allen Ersten Preisen in Harmonielehre, Komposition, Klavierbegleitung, Orgel… Von da an widmete sie sich dem Unterricht. Mehr als 75 Jahre lang bildete sie eine ganze Schar von Instrumentalisten, Musikern, Dirigenten und Komponisten in der ganzen Welt aus. Unter ihren Schülern können wir  z.B. Komponisten wie Elliott Carter, Marius Constant, Jean Françaix, große Pianisten wie Miguel Angel Estrella, Noël Lee, Dinu Lipati oder Emil Naournoff nennen; unter ihren Freunden Igor Strawinski, Leonard Bernstein, Yehudi Menuhin, Paul Valéry, St John Perse…

Ihre Schwester Lili Boulanger (1893-1918) war ein Wunderkind, die erste Frau, die den 1. Grand Prix de Rome mit der Kantate « Faust und Helena » gewann; sie starb mit 24 Jahren. Durch Werke wie die Psalmen 24, 120 und 130 oder ihr letztes, Nadia diktiertes Werk « Pie Jesu » für Stimme, Streichquartett, Harfe und Orgel zählt Lili Boulanger zu den großen Namen der Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

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